Everybody’s Darling

Ich hatte ein neues Aufgabengebiet übernommen, als ich mit einem Mieter konfrontiert wurde, dessen Mietvertrag meine Vorgängerin noch abgeschlossen hatte. Es handelte sich um einen jungen Mann, der angeblich beim Amerikanischen Konsulat in Hamburg arbeitete. Die Kollegen hatten sich schon sehr gewundert, dass jemand mit einem solchen Einkommen – denn das was auf dem vorgelegten Einkommensnachweis stand war schon sehr beträchtlich - ausgerechnet eine solche Wohnung mieten wollte.

Seine Begründung war, dass er sein Geld sparen wolle, weil er sich nach seinem Tod im All besetzen lassen wolle. Und da das sehr sehr teuer wäre und man ja nicht wüßte, wann das letzte Stündchen schlägt, lebe er eben sehr sparsam. Dumm nur, dass sein Arbeitsplatz rund 200 km weit entfernt sein sollte.

Der Mietvertrag war unterzeichnet, die erste Miete kam noch, die zweite dann nicht mehr. Das Mahnverfahren war gerade angeschupst worden, als im Büro jemand anrief und nach dem jungen Mann fragte. Der Anrufer sagte er wäre der vorherige Vermieter und er hätte noch jede Menge offene Forderungen gegen den jungen Mann. Daraufhin stellte sich heraus, dass der Einkommensnachweis gefälscht war und der junge Mann von Hartz-4 lebte.

Er bekam eine Vertragsanfechtung mit der Aufforderung, die Wohnungsschlüssel abzugeben. Begründet war die Vertragsanfechtung damit, dass der Mietvertrag nicht rechtskräftig zu Stande gekommen war, weil er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlichen wurde. Gleichzeitig wurde vom Amerikanischen Konsulat Strafanzeige wegen Urkundenfälschung gestellt.

Einen oder zwei Tage später rief mich ein Anwalt an. Der junge Mann sei sein Mandant und er würde die Vertragsanfechtung nicht anerkennen. Der junge Mann wäre zwar beim Konsulat gekündigt worden, aber es gäbe keine Vorspiegelung falscher Tatsachen…  ja neeee is klaar!!

Da der Anwalt eigentlich ganz verständig und nett war habe ich ihn dann darauf hingewiesen, dass er wohl kein Honorar sehen würde und dass sein Mandant von Hartz-4 lebt. Das wollte er mir aber nicht glauben.

Als wäre das nicht alles schon genug rief mich zwei Tage später der Chef eines großen Malerbetriebes an und fragte an, wann wir denn gedenken würden die Wohnungseingangstür in der Wohnung des jungen Mannes einzubauen. Ich fragte ihn, wie er denn darauf käme, dass dort eine neue Tür eingebaut werden sollte. Der Mieter hatte offenbar die ganze Wohnung für mehr als 7.000 Euro von dem Maler renovieren lassen. Er hatte dem Maler dann erzählt, die letzte Wand, nämlich die in der die Wohnungstür war, sollte erst zwei Wochen später gemacht werden, weil ja noch eine neue Tür käme. Und der Maler wollte die Wand gerne fertig machen, damit er die Rechnung schreiben kann. Bedauerlicherweise kam nie eine neue Tür und ich hab ihn dann seelisch darauf vorbereitet, dass er das Geld wohl nie sehen würde.

Nun wollte ich mir diesen Herrn natürlich mal selber ansehen. Auf Schreiben reagierte er nicht, seine Telefonnummer gab es auch nicht mehr…. also was tun…

Ich warf ihm ein Schreiben in den Briefkasten mit einem Termin, an dem die Gasleitung geprüft werden müsste. Das gleiche Schreiben klebte ich ihm an die Wohnungstür mit dem Hinweis, dass die Wohnung wegen Gefahr im Verzug geöffnet würde, falls er den Zugang nicht gewährt. 

Zu dem vergebenen Termin stand ich mit einem Schlüsseldienst und einem Handwerker vor der Tür. Der Mieter öffnete aber auf mehrmaligen Klopfen und Klingeln nicht. Der Schlüsseldienstmann hatte gerade den Bohrer angesetzt und angefangen das Schloss aufzubohren, als aus der Wohnung Geräusche zu hören waren und der Mieter im Schlafanzug die Tür öffnete. Er flitzte ins Schlafzimmer um seinen Anwalt anzurufen, zwischenzeitlich inspizierte ich die Wohnung und der Handwerker schaute nach der Gasleitung.

Die Malerarbeiten waren wirklich klasse und aufwendig gemacht worden ;-)   Das war zumindest für die Vermieter ein Vorteil.

Zwei Tage später war der Mieter über alle Berge und ward nie mehr gesehen.

Ein Jahr später hatte ich privat mit seinem Anwalt zu tun…  er hat sein Honorar nie gesehen…

Aber dieser junge Mann war so ein Typ, den jede Mutter sich zum Schwiegersohn wünscht und dem man fast alles abnimmt…  eben Typ everybody’s Darling!!

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