Ich habe einen ziemlich unangenehmen aktuellen Fall.
Gerade letzte Woche wurde ich von einem gerichtlich bestellten Betreuer in eine Wohnung gerufen um dort vor Ort festzustellen, ob es nach Verwesung riecht oder nicht. Der Grund war, dass sich die Nachbarn über Verwesungsgeruch beschwerten.
Nun ist das fiese an diesem Geruch, dass man ihn, wenn man ihn einmal in einem Raum wahrgenommen hat, immer wieder wahrzunehmen denkt, auch wenn er längst nicht mehr da ist. Das kenne ich leider aus Erfahrung und die Nase hat ein unglaublich gutes Gedächtnis. Dieser süßliche Geruch setzt sich in jeder einzelnen Synapse fest und spielt sich dann eigentlich nur noch im Kopf ab.
Warum die Bewohner diesen Geruch im Kopf haben?? Das kam so:
In der Wohnung wohnte ein scheinbar sehr netter älterer Herr. Er war Anfang des Jahres verwitwet und lebte alleine. Er hatte eine Zugehfrau, die die Einkäufe erledigte und die Wohnung sauber hielt und die praktischweise im gleichen Haus lebte. Auch ein anderer Nachbar kümmerte sich angeblich um den alten Mann.
Der Mann hatte nur ein Problem, er hatte offene Beine. Nun kommt dies bei älteren Menschen durchaus häufiger vor. Ich kenne das von meiner verstorbenen Oma und ich weiß, dass das sehr unangenehm und schmerzhaft ist. Der alte Herr wollte seine Beine aber nicht behandeln lassen.
So lag er auf dem Sofa, ließ sich von der Zugehfrau versorgen, aber niemanden nach seinen Beinen sehen. Offenbar hat er in den letzten Monaten das Sofa praktisch nicht mehr verlassen. Dabei war er – bis auf die offenen Beine – geistig und körperlich offenbar noch fit.
Vor etwa acht Wochen wurde er aus seiner Wohnung geholt.
Die offenen Beine waren solange nicht behandelt worden, dass die Socken, die er trug, in die Beine eingewachsen waren und aus den Beinen Maden krabbelten. Er wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht und eben dieser gerichtliche Betreuer bestellt. Zu dem Zeitpunkt muss es in der Wohnung laut den Mitbewohnern im Haus und dem Betreuer bestialisch gestunken haben.
Der alte Herr liegt nach wie vor im Krankenhaus, ob und wann er es verlassen kann ist fraglich, zumindest muss er nach wie vor künstlich beatmet werden und es scheint, als wäre er inzwischen doch verwirrt. Er wird mit Sicherheit nie wieder in seine Wohnung zurückkehren können. Wenn er das Krankenhaus verlässt, dann muss er in ein Pflegeheim oder Altersheim. Je nachdem wie weit er sich erholt.
Aber die wichtige Frage ist: Warum hat von den Nachbarn und vor allem die Zugefrau keiner etwas unternommen und den Notarzt schon viel früher geholt. Warum lässt man es so weit kommen, dass ein lebender Mensch von Maden befallen und mit eingewachsenen Socken dahinsiecht??
Manchmal verstehe ich die Menschen nicht!!!
Veröffentlicht von borsetta am Dezember 21, 2009 um 10:20 pm
macht sehr naachdenklich, vor allem, weil es leider keine Einzelfälle sind….Wegschauen is halt scheinbar soooo viel einfacher……
Veröffentlicht von gernodgammler am Dezember 21, 2009 um 10:36 pm
Geht mir auch oft so. Die Menschen sind so bei sich. Auch bei Twitter. Spieglein Spieglein…
Veröffentlicht von Lord.Daywalker am Dezember 22, 2009 um 7:03 am
Nach dem Seebeben 2004 kam der Nachbar meiner Schwiegereltern nicht aus dem Urlaub in Thailand zurück. Meine Schwiegereltern informierten nach einiger Zeit die Polizei, die öffnete die Wohnung, um DNA-Material zur Indendifizierung vor Ort zu besorgen. Nach 6 Wochen kam der Nachbar, der seinen Urlaub dort einfach verlängert hatte und vom Seebeben nicht betroffen war. Er machte meinen Schwiegereltern harsche Vorwürfe. Seither reden die nicht mehr miteinander und meine Schwiegereltern werden sich nicht mehr um die ‘Angelegenheiten Anderer’ kümmern …
Veröffentlicht von Ben am Januar 12, 2010 um 10:09 am
Sehr erschreckend.