Kein Gewissen?

Wenn ich von Tagen wie dem heutigen Berichte werde ich oft gefragt, ob ich kein Gewissen hätte…..

Heute stand eine Wohnungsräumung an. In diesem Fall war es eine Berliner Räumung. Das bedeutet, dass der Mieter der Wohnung verwiesen wird, er sein Hab und Gut aber zurücklassen muss weil das Vermieterpfandrecht ausgesprochen ist. Für Vermieter, die nicht in der Lage sind für eine richtige Räumung mit 10.000 Euronen oder mehr in Vorleistung zu treten ein ziemlich gute Lösung.

In diesem Fall wurde eine alleinerziehende Mutter geräumt. Es war schon der zweite Räumungstermin, vor zwei Monaten hatte die Räumung nicht stattgefunden weil die Zeugen nicht zum Termin erschienen. Die Mutter ist schätzungsweise in meinem Alter, die Tochter schätze ich mal auf 12 oder 13 Jahre.

Zum Räumungstermin war natürlich keiner in der Wohnung. Das war auch gut so, andernfalls hätte der Gerichtsvollzieher die Mieterin festgenommen. Gegen sie liegt ein Haftbefehl vor. Allerdings war die Wohnung auch nicht verlassen. Meistens ist das der Fall. Die Miet3r sind über alle Berge, haben mitgenommen was noch brauchbar ist und alles andere, meistens Müll, zurück gelassen.

In diesem Fall haben die Mieterin und ihre Tochter wohl zumindest tagsüber in der Wohnung gelebt. Es lag frisches Obst herum, es war noch eine kleine Katze da und relativ frisches Katzenfutter….  nur abends dürfte dort niemand mehr leben… es gibt schon seit Wochen oder Monaten keinen Strom mehr.

Nachdem der Gerichtsvollzieher mir am Morgen die Wohnung übergeben hatte war erstmal der nächste Punkt, dafür zu sorgen, dass die Katze in gute Hände kommt. Also habe ich für nachmittags einen Termin mit dem Tierheim vereinbart. Zwei Mitarbeiter des Tierheims haben das völlig verschreckte Tier eingefangen und mitgenommen.

Während ich auf die Tierheimmitarbeiter gewartet habe kam ein junges Mädchen aus dem Haus und lief die Straße herunter. Als ich mit den Tierheimmitarbeitern dann die Wohnung betreten wollte war das Mädchen auf einmal wieder da und es stellte sich heraus, dass sie die Tochter der Mieterin war. Sie stand völlig aufgelöst im Treppenhaus und konnte überhaupt nicht verstehen, warum sie nicht mehr in die Wohnung kommt und statt dessen völlig fremde Mensche da rein gingen.

Ich musste dem völlig hysterisch weinenden Kind dann erklären, dass die Katze ins Tierheim muss bis ihre Mutter für sie ein neues Zuhause gefunden hat. Außerdem musste ich dem Kind erklären, dass es kein Zuhause mehr hat und die Wohnung nicht mehr betreten kann…  und dass die Mutter, sollte sie sich Zutritt zur Wohnung verschaffen oder Polizei dazuholen, direkt ins Kittchen wandert. Ganz schön hart…  was soll man machen??

Die Mutter hat monatelang keine Miete bezahlt, diverse Mahnungen bekommen, einen fristlose Kündigung, jede Menge Schreiben vom Gericht und letztendlich des Räumungsurteil und die Mitteilung über den ersten und den zweiten Räumungstermin…. das ganze geht also praktisch schon ein Jahr…  und die Mutter hat sich nie darum gekümmert eine gütliche Einigung zu finden. Die Tochter ist dann völlig verzweifelt von dannen gezogen…

Es ist leicht zu glauben, dass Vermieter – oder Verwalter -  die so eine Räumung durchziehen hartherzig sind…  aber bis es zur Räumung kommt ist es ein weiter Weg….

Ich habe mit Sicherheit ein Gewissen….. nur komisch, dass nie jemand fragt, wie ich mich in solchen Situationen fühle..

Eine Antwort auf diesen Artikel.

  1. Veröffentlicht von gernodgammler am Januar 21, 2010 um 8:37 pm

    Verstehe Dich, bist auch nur ein Teil des Systems, aber bist es eben. Komme mir bei meiner Arbeit auch oft als der Müllmann der Nation vor

    Kommentar

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