Die Sache mit dem Schlüssel – Fortsetzung

Da mich neulich die liebe Zwergenchefin darauf aufmerksam machte, dass das Ende der Geschichte noch fehlt nehme ich mir doch endlich mal die Zeit weiterzuschreiben…

Wir erinnern uns… da war der Prozess der jungen Dame, die es nicht auf die Reihe brachte, ihre eigene Wohnung aufzuschließen. Sich aber auch monatelang weder beim zuständen Hausmeister noch beim Vermieter meldete. Kein Wunder, wo sie doch ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie nie die Miete bezahlt hatte.

Es kam also zu Beginn des Sommers zu einem zweiten Termin vor Gericht. Die Schlüssel zur Wohnung hatte ich in den drei Monaten zwischen erster Verhandlung und zweitem Termin nicht bekommen, was mich ärgerte, da ich die Wohnung mehrfach hätte weitervermieten können.

Immerhin erwartete ich eigentlich, dass ich zumindest beim zweiten Verhandlungstermin – quasi vor Zeugen – die Schlüssel bekomme.

Aber da hatte ich mal wieder falsch gedacht.

Die Mieterin saß, inzwischen hochschwanger, da und schaute den Richter an wie das Kaninchen die Schlange und stellte sich einmal mehr blöd. Wobei ich mir inzwischen nicht mehr sicher bin, ob das nur gestellt war. Immerhin bedarf es dazu einer gewissen Intelligenz.

Das Ende vom Lied war, dass sie nur meinte, sie wäre sich nicht sicher gewesen, ob sie die Schlüssel denn herausgeben dürfe. Und natürlich lagen ihre Sachen auch immer noch in der Wohnung. Der Richter und ihre Anwältin legten ihr nochmal nachdrücklich nahe, die Schlüssel schnellstmöglich abzugeben. Die Anwältin tat sehr entrüstet, hatte sie doch die Hoffnung gehabt, einen Vergleich zu erzielen, dem ich jedoch auf Grund des weiteren Mietausfalls nicht zustimmen wollte.

Es wurde vereinbart, dass die Wohnung schnellstmöglich geräumt und die Schlüssel abgegeben werden sollten um den weiteren Schaden gering zu halten.

Leider dauerte schnellstmöglich noch einmal drei Monate. Und die Schlüssel bekam ich auch nur durch Zufall.

Ich hatte mehrfach die Anwältin der Mieterin angeschrieben und angerufen. Jedoch alles ohne Erfolg.

Als ich mich jedoch eines Tages im zuständigen Amt aufhielt und dort einige Dinge zu erledigen hatte, lief mir die Mieterin über den Weg. Sie schaute mich mit dem Schäfchen-auf-der-Schlachtbank-Blick an, wußte jedoch offenbar nicht wirklich, woher sie mich kannte. Sie wurde aber schnell eines aufgeklärt. Die Mitarbeiter vom Amt, die die Hintergrundgeschichte selbstverständlich kannten, baten die Mieterin zum Termin und mich gleich dazu. Die Mieterin erklärte sich damit auch einverstanden und während des Gesprächs kamen wir auf den Schlüssel zu sprechen. Diesen zog sie auch direkt zähneknirschend aus der Handtasche und übergab ihn mir. Ihre Sachen liegen noch immer in der Wohnung.

Die Krönung war allerdings, dass sie, nachdem sie die Wohnung nie bezogen hatte und vor Gericht ja erwähnt wurde, dass sie die Wohnung nur gemietet hat, weil sie offiziell nicht in der Obdachlosenunterkunft nächtigen durfte – in die sie inzwischen jedoch offiziell eingewiesen wurde – die Dame vom Amt beknieen wollte, dass sie eine Wohnung anmieten darf. Den es wäre ja nicht zumutbar, dass sie mit inzwischen drei Kindern im Asyl untergebracht ist. Dumm nur, dass sie beim einzigen Vermieter, der passende Wohnungen hätte, keine mehr bekommen wird. Und genauso doof, dass ihr Lebensgefährte als illegaler aus dem Asyl gar nicht ausziehen darf.

Immerhin, zwei Wochen nachdem ich die Wohnungsschlüssel bekommen hatte, hatte ich auch schon eine sehr nette und sehr ordentliche neue Mieterin für die Wohnung. ;o)

Die Sache mit dem Schlüssel

Endlich findet sich mal wieder Zeit für einen Post. Ist ja nicht so, dass derzeit keine Geschichten für das Kuriositätenkabinett im Angebot wären.

In den letzten Tagen hatte ich mal wieder ein sehr amüsante Geschichte. Wenn ich mich als schlechter Drehbuchautor bewerben würde… ich glaub die Geschichte wäre geeignet *lach*

Also es trug sich zu, das eine junge Mutter eine Wohnung mietete.  Das ist jetzt nicht soo ungewöhnlich. Das die Dame es versäumte, die Miete zu bezahlen auch nicht.

Aber nach Zustellung der Räumungsklage dachte sich das Mädel, sie nimmt sich mal nen Anwalt. Die meisten Mieter machen sich in dem Moment eigentlich sang- und klanglos aus dem Staub.

Dieser Anwältin erzählte sie eine traurige Geschichte von ausgetauschten Wohnungstürschlössern.

Angeblich wäre sie, bereits bevor die fristlose Kündigung ausgesprochen wurde, nicht mehr in ihre Wohnung gekommen. Jeder andere hätte in dem Moment den Schlüsseldienst oder den Hausmeister oder die Verwaltung angesprochen. Diese junge Frau schnappte sich ihre Kinder, zog zu ihrem Freund und seiner Familie in die Obdachlosenunterkunft und tat als wäre nichts gewesen. Dummerweise wollte das Job-Center sie mehrfach besuchen und staunte, dass die Wohnung,  für die das Mädel die Miete bezahlt bekam, nicht bewohnt war. Das Job-Center zahlte direkt an das Mädel, weil die Leistungen wegen anderer Einkünfte nicht ausreichend waren um die Miete zu decken. Dem Mädel fiel aber so gar nicht auf, dass es 500 Euronen mehr auf Ihr Konto bekam als ihr eigentlich zustünden und statt die Miete zu bezahlen machte sie sich eine schöne Zeit.

Nun denn, es kam zum Gerichtstermin. Wir wollten gerne die Miete und die Wohnung. Die Mieterein erschien mit ihrer Anwältin bei Gericht und ging als erstes auf mich bzw die böse Verwaltung los, die es zulässt, dass die arme junge Frau mit zwei kleinen Kindern in der Obdachlosenunterkunft leben muss. Und überhaupt, wie böse die Verwaltung ist, wo sie doch die Schlösser ausgetauscht hat. Und außerdem hatte die Verwaltung auch die Möbel des armen Mäuschens entsorgt (woher wollen die das wissen, wenn sie die Wohnung nicht betreten können)

Der Gerichtstermin zog sich hin, es wurde diskutiert, wie es angehen kann, dass das Mädel nicht gemerkt hat, dass sie die Miete selber zahlen muss (selbst nach mehreren Mahnungen ist ihr das nicht aufgefallen) und die Anwältin der Gegenseite versuchte verzweifelt, der Behörde die Schuld in die Schuhe zu schieben. Klappte nicht.

Um Licht ins Dunkel zu bringen wurde kurzerhand der Lebensgefährte der Mieterin als Zeuge aufgerufen. Er ist ein Angehöriger einer Minderheit und nicht das hellste Licht am Kronleuchter. Dummerweise hat seine Aussage die Lage für die Mieterin nicht verbessert. Unter anderem bedauerte er, dass seine Freundin ja eine Wohnung anmieten musste, weil die beiden nur tagsüber bei seinen Eltern in der Obdachlosenunterkunft sein dürften aber eben dort nicht schlafen dürften.

Ich erspare Euch hier die Einzelheiten, auch wenn einige herzhafte Lacher dabei gewesen sind.

Dem Richter wurde es bald zu bunt, und da der Prozess zu einem anderen Termin weitergeführt werden muss – es fehlte ein Zeuge – wurde der Termin beendet. Doch dann kam dem Richter ein Idee. Er hatte zwar selber keine Zeit, aber er bat alle Beteiligten, zusammen zur gemieteten Wohnung zu fahren und auszuprobieren, ob die Tür sich aufschließen lässt oder nicht.

Gesagt getan. Die Anwältin der Gegenseite fuhr mit der Mandantin die Schlüssel holen und man traf sich zu fünft vor dem Haus. Die Mieterin war etwas aufgeregt, so dass dem Hausmeister der Schlüssel in die Hand gedrückt wurde. Und – oh Wunder – ohne SesamöffneDich ließ sich die Wohnungstür öffnen.

Das Mädel hatte einfach den Schlüssel nicht weit genug in das Schloss geschoben.

… und Ihre Anwältin sucht noch immer nach dem großen schwarzen Loch in dem sie versinken kann.

– die Verhandlung ist noch nicht abgeschlossen… das Ende erzähl ich dann in sechs Wochen –

Warum klappt das nicht??

Diese Frage stellen mir viele Mietinteressenten immer wieder gerne. Dabei müssten sie in diesen Fällen selber längst wissen, dass das nix werden kann. Einen speziellen Fall hatte ich vor kurzem.

In meinem Emailfach landet eine Email von einem Mietinteressenten. Er sucht ganz dringend eine Wohnung und eine die wir anbieten ist bestimmt die richtige, aber eben sehr dringend, zum nächsten ersten (also in vier Tagen). Eigentlich hätte er ja schon eine Wohnung gehabt, aber der Vermieter hätte ihn und seine Frau auf’s Kreuz gelegt. Ein  Ladenlokal hätte er schon aber jetzt bräuchte er total dringend noch eine Wohnung.

Er hätte gehört, wir hätten in der Wohnanlage XYZ (300 km von unserem Büro entfernt, Anm. d.R.) passende Wohnungen frei und ob er sich die anschauen könnte und wie schnell er die Mieten könnte.

Hm… wer es so eilig hat macht sich ja schon irgendwie verdächtig.

Naja, zwei Stunden später klingelt das Telefon und ein ehemaliger Mieter aus der Wohnanlage ist dran.  Er hätte einen total tollen Mieter für uns, der wäre selbständig und würde nebenbei Kurse für die ARGE geben und Geld wäre überhaupt kein Problem, aber es müsste schnell gehen…

Das ist jetzt schon irgendwie noch verdächtiger….

Naja eine Weile später rief der Interessent selber an. Am Telefon machte er einen sehr freundlichen und aufgeschlossenen Eindruck. Aber wenn die Leute was wollen können sie auch sehr sehr nett sein….  Aber wenn jemand nett ist und soviel Geld verdient wie der Mann behauptete, warum wollte der dann in so eine Ecke ziehen??? Naja, ich verdiene auch so viel Geld..  zahlt mir aber keiner 😉

Ich habe ihn an den Hausmeister verwiesen um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren und damit der Hausmeister den Interessenten bei Interesse einen Fragebogen geben kann. Den muss ich schnellstmöglich unterschrieben haben. Danach kann ich den Vorgang prüfen. Inkl. Creditreform / Schufa.

Am nächsten Tag, es war inzwischen Freitag, drückte ein benachbarter Geschäftsmann mit einen Briefumschlag in die Hand. Der Mietinteressent hatte am Vorabend noch gefaxt. Nur leider an eine falsche Nummer. Und es war Zufall, dass das Fax in der Nachbarschaft gelandet war.

Bei der Selbstauskunft war ein Schreiben beigefügt, in dem der Interessent darum bat, am Morgen so zeitig wie möglich angerufen zu werden. Er würde dann direkt losfahren um bis zum Mittag in unserem Büro zu sein und den Mietvertrag zu unterschreiben….  (Sie erinnern sich?? Über 300 km!!)

Ok, jetzt war ich richtig richtig misstrauisch…  als erstes habe ich die Crefo-Anfrage gestartet…  und in schallendes Gelächter ausgebrochen. (Man entwickelt in dieser Branche einen gewissen Zynismus)

Grob umrissen hatte das Ehepaar lt. Selbstauskunft knappe 5000 Euro netto. Das ist eine Menge Geld.

Allerdings hatten die beiden auch diverse Haftbefehle, eidestattliche Versicherungen, gerichtliche Verfahren, Insolvenzverfahren, etc. pp.

Der Interessent war trotzdem völlig fassungslos, als ich ihn anrief um ihm mitzuteilen, dass er wohl kein Mieter in „meiner“ Anlage wird und sich das Benzin für die Anreise hierher sparen kann.

Er war dann auch irgendwie verstört als ich ihn auf die Einträge angesprochen habe, wurde aber doch recht kleinlaut.

Kein Gewissen?

Wenn ich von Tagen wie dem heutigen Berichte werde ich oft gefragt, ob ich kein Gewissen hätte…..

Heute stand eine Wohnungsräumung an. In diesem Fall war es eine Berliner Räumung. Das bedeutet, dass der Mieter der Wohnung verwiesen wird, er sein Hab und Gut aber zurücklassen muss weil das Vermieterpfandrecht ausgesprochen ist. Für Vermieter, die nicht in der Lage sind für eine richtige Räumung mit 10.000 Euronen oder mehr in Vorleistung zu treten ein ziemlich gute Lösung.

In diesem Fall wurde eine alleinerziehende Mutter geräumt. Es war schon der zweite Räumungstermin, vor zwei Monaten hatte die Räumung nicht stattgefunden weil die Zeugen nicht zum Termin erschienen. Die Mutter ist schätzungsweise in meinem Alter, die Tochter schätze ich mal auf 12 oder 13 Jahre.

Zum Räumungstermin war natürlich keiner in der Wohnung. Das war auch gut so, andernfalls hätte der Gerichtsvollzieher die Mieterin festgenommen. Gegen sie liegt ein Haftbefehl vor. Allerdings war die Wohnung auch nicht verlassen. Meistens ist das der Fall. Die Miet3r sind über alle Berge, haben mitgenommen was noch brauchbar ist und alles andere, meistens Müll, zurück gelassen.

In diesem Fall haben die Mieterin und ihre Tochter wohl zumindest tagsüber in der Wohnung gelebt. Es lag frisches Obst herum, es war noch eine kleine Katze da und relativ frisches Katzenfutter….  nur abends dürfte dort niemand mehr leben… es gibt schon seit Wochen oder Monaten keinen Strom mehr.

Nachdem der Gerichtsvollzieher mir am Morgen die Wohnung übergeben hatte war erstmal der nächste Punkt, dafür zu sorgen, dass die Katze in gute Hände kommt. Also habe ich für nachmittags einen Termin mit dem Tierheim vereinbart. Zwei Mitarbeiter des Tierheims haben das völlig verschreckte Tier eingefangen und mitgenommen.

Während ich auf die Tierheimmitarbeiter gewartet habe kam ein junges Mädchen aus dem Haus und lief die Straße herunter. Als ich mit den Tierheimmitarbeitern dann die Wohnung betreten wollte war das Mädchen auf einmal wieder da und es stellte sich heraus, dass sie die Tochter der Mieterin war. Sie stand völlig aufgelöst im Treppenhaus und konnte überhaupt nicht verstehen, warum sie nicht mehr in die Wohnung kommt und statt dessen völlig fremde Mensche da rein gingen.

Ich musste dem völlig hysterisch weinenden Kind dann erklären, dass die Katze ins Tierheim muss bis ihre Mutter für sie ein neues Zuhause gefunden hat. Außerdem musste ich dem Kind erklären, dass es kein Zuhause mehr hat und die Wohnung nicht mehr betreten kann…  und dass die Mutter, sollte sie sich Zutritt zur Wohnung verschaffen oder Polizei dazuholen, direkt ins Kittchen wandert. Ganz schön hart…  was soll man machen??

Die Mutter hat monatelang keine Miete bezahlt, diverse Mahnungen bekommen, einen fristlose Kündigung, jede Menge Schreiben vom Gericht und letztendlich des Räumungsurteil und die Mitteilung über den ersten und den zweiten Räumungstermin…. das ganze geht also praktisch schon ein Jahr…  und die Mutter hat sich nie darum gekümmert eine gütliche Einigung zu finden. Die Tochter ist dann völlig verzweifelt von dannen gezogen…

Es ist leicht zu glauben, dass Vermieter – oder Verwalter –  die so eine Räumung durchziehen hartherzig sind…  aber bis es zur Räumung kommt ist es ein weiter Weg….

Ich habe mit Sicherheit ein Gewissen….. nur komisch, dass nie jemand fragt, wie ich mich in solchen Situationen fühle..

„Aber das zahlt ja das Amt“

Wenn man an einem Ort den Job eine Weile macht, wird man langsam mit Namen vertraut, die Mietinteressenten praktisch sofort degradieren. Es gibt wohl in jeder Stadt zwei oder drei Familien, bei denen Probleme praktisch vorprogrammiert ist.

Eine solche Familie hatte ich als Mietinteressenten für eine Wohnung bereits abgelehnt, als mich ein Wohnungseigentümer anrief und mir begeistert von einem Mietinteressenten erzählte…  eben diese abgelehnte Familie.

Ich redete mit Engelszungen auf den Eigentümer ein er möge weitersuchen. Ich informierte ihn über die Drogensucht der Eltern und darüber, dass der Sohn offensichtlich die gleiche Karriere anstrebt wie die Eltern. Er wollte partout nicht hören und meinte nur begeistert „Aber das Amt zahlt ja die Miete“.

Leider sind viele Wohnungseigentümer nicht davon zu überzeugen, dass Miete allein nicht alles ist. Und dass man solche Mieter so schnell auch nicht wieder los wird. Denn der einzige Weg einen Mieter möglichst schnell wieder los zu werden ist, wenn er die Miete nicht bezahlt. Alles andere wird ausgesprochen kompliziert.

Alles reden half nichts. Der Wohnungseigentümer reiste höchstselbst an und übergab die Wohnung an seine neuen Mieter.

Etwa drei Monate später warf der Sohn der Familie seinen Eltern einen Molotow-Cocktail ins Wohnzimmer. Natürlich waren alle total zugekokst (oder was auch immer die genommen haben).

Die Wohnung brannte total aus, kurz nach der Brandsanierung, die relativ lange dauerte, zerstörte ein massiver Wasserschaden die gesamte Wohnung erneut.

Den Mietern ist übrigens nichts passiert.

lebend tot

Ich habe einen ziemlich unangenehmen aktuellen Fall.

Gerade letzte Woche wurde ich von einem gerichtlich bestellten Betreuer in eine Wohnung gerufen um dort vor Ort festzustellen, ob es nach Verwesung riecht oder nicht. Der Grund war, dass sich die Nachbarn über Verwesungsgeruch beschwerten.

Nun ist das fiese an diesem Geruch, dass man ihn, wenn man ihn einmal in einem Raum wahrgenommen hat, immer wieder wahrzunehmen denkt, auch wenn er längst nicht mehr da ist. Das kenne ich leider aus Erfahrung und die Nase hat ein unglaublich gutes Gedächtnis. Dieser süßliche Geruch setzt sich in jeder einzelnen Synapse fest und spielt sich dann eigentlich nur noch im Kopf ab.

Warum die Bewohner diesen Geruch im Kopf haben?? Das kam so:

In der Wohnung wohnte ein scheinbar sehr netter älterer Herr. Er war Anfang des Jahres verwitwet und lebte alleine. Er hatte eine Zugehfrau, die die Einkäufe erledigte und die Wohnung sauber hielt und die praktischweise im gleichen Haus lebte. Auch ein anderer Nachbar kümmerte sich angeblich um den alten Mann.

Der Mann hatte nur ein Problem, er hatte offene Beine. Nun kommt dies bei älteren Menschen durchaus häufiger vor. Ich kenne das von meiner verstorbenen Oma und ich weiß, dass das sehr unangenehm und schmerzhaft ist. Der alte Herr wollte seine Beine aber nicht behandeln lassen.

So lag er auf dem Sofa, ließ sich von der Zugehfrau versorgen, aber niemanden nach seinen Beinen sehen. Offenbar hat er in den letzten Monaten das Sofa praktisch nicht mehr verlassen. Dabei war er – bis auf die offenen Beine – geistig und körperlich offenbar noch fit.

Vor etwa acht Wochen wurde er aus seiner Wohnung geholt.

Die offenen Beine waren solange nicht behandelt worden, dass die Socken, die er trug, in die Beine eingewachsen waren und aus den Beinen Maden krabbelten. Er wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht und eben dieser gerichtliche Betreuer bestellt.  Zu dem Zeitpunkt muss es  in der Wohnung laut den Mitbewohnern im Haus und dem Betreuer bestialisch gestunken haben.

Der alte Herr liegt nach wie vor im Krankenhaus, ob und wann er es verlassen kann ist fraglich, zumindest muss er nach wie vor künstlich beatmet werden und es scheint, als wäre er inzwischen doch verwirrt. Er wird mit Sicherheit nie wieder in seine Wohnung zurückkehren können. Wenn er das Krankenhaus verlässt, dann muss er in ein Pflegeheim oder Altersheim. Je nachdem wie weit er sich erholt.

Aber die wichtige Frage ist: Warum hat von den Nachbarn und vor allem die Zugefrau keiner etwas unternommen und den Notarzt schon viel früher geholt. Warum lässt man es so weit kommen, dass ein lebender Mensch von Maden befallen und mit eingewachsenen Socken dahinsiecht??

Manchmal verstehe ich die Menschen nicht!!!

Die kleine alte Dame

In einem großen Mehrfamilienhaus mit kleinen Singlewohnungen hatte ich eine winzigkleine hutzelige Oma als Mieterin. Sie war noch längst nicht so alt, wie sie aussah, allerdings weiß ich beim besten Willen nicht mehr, wie alt sie damals eigentlich war. Ich würde mal so Anfang Mitte 70 schätzen.

Sie kam regelmäßig ins Büro, machte eigentlich einen aufgeweckten Eindruck und erzählte gerne und viel. Wie Omis halt so sind. Mich machte manchmal stutzig, wenn sie erzählte, dass sie in ihrer Wohnung nicht schlafen könnte und darum im Sommer immer im Kleingarten bei ihrer Freundin schlafen würde.

Aber da ich das Objekt gerade erst übernommen hatte und lt. meiner Vorgängerin mit der alten Dame alles in Ordnung sein sollte, machte ich mir da nicht wirklich ernsthaft Gedanken.

Bis mich irgendwann Nachbarn aus dem Haus anriefen und mir erzählten aus der Wohnung würde es stinken und da wären Ratten drin.

Nun muss man dazu sagen, dass die Nachbarn nun auch nicht unbedingt „normal“ im herkömmlichen Sinne waren. Jedenfalls schaute ich mir das ganze beim nächsten Mal aus der Nähe an… Ich kam bis vor die Wohnungstür. Wenn es sich um eine herkömmliche Messi-Wohnung gehandelt hätte, hätte ich das auf dem Treppenabsatz riechen können… es gibt auch so kleine Indizien… wie sieht der Treppenabsatz aus? Wie alt sind die Wollmäuse auf der Fußmatte, etc… die einem schon manchmal Details verraten können… hier schien aber soweit alles in Ordnung zu sein.

Die alte Dame kann ein paar Wochen später wieder zu mir ins Büro und ich fragte, ob ich mir ihre Wohnung mal anschauen dürfte. Ja sicher… ich könne gerne jederzeit vorbeikommen (eher ungewöhnlich für einen Messi) und ich packte die Gelegenheit beim Schopfe und vereinbarte direkt einen Termin mit ihr.

Ein paar Tage später war der Termin und ich machte mich ziemlich gespannt auf den Weg zur Wohnung der kleinen Oma. Als ich die Wohnung betrat traf mich fast der Schlag. Direkt neben der Eingangstür war eine kleine Singleküche, die war auch noch nutzbar. Daneben das Bad war nicht mehr nutzbar. Und das offenbar schon sehr sehr lange nicht.

Der Rest der Wohnung bestand aus einem großen Raum, der Wohn- und Schlafzimmer zugleich sein sollte. Ich schätze die Fläche mal auf rd. 35 m². In dem ganzen Raum war nur noch ein schmaler Gang von der Tür bis zum Fenster frei. Der Rest war schulterhoch (also meine Schulter, nicht die der kleinen alten Dame) mit Tüten vollgepackt…  aber es war nicht das, was man in einer Messiwohnung erwarten würde. Also kein Müll oder sowas… es waren Säche und Tüten mit Kleidung. In erster Linie Unterwäsche. Und es war alles funkelnigelnagelneu. Die Preisschilder waren sogar noch dran. 

Die Mieterin hatte einfach nur panische Angst davor, dass sie keine ausreichende saubere Wäsche hat, wenn sie mal ins Krankenhaus muss…. 

Der sozialpsychiatrische Dienst hat sich dann der Dame angenommen und sich gekümmert. Was später daraus geworden ist hab ich leider nicht mehr mitbekommen.