Die Sache mit dem Schlüssel – Fortsetzung

Da mich neulich die liebe Zwergenchefin darauf aufmerksam machte, dass das Ende der Geschichte noch fehlt nehme ich mir doch endlich mal die Zeit weiterzuschreiben…

Wir erinnern uns… da war der Prozess der jungen Dame, die es nicht auf die Reihe brachte, ihre eigene Wohnung aufzuschließen. Sich aber auch monatelang weder beim zuständen Hausmeister noch beim Vermieter meldete. Kein Wunder, wo sie doch ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie nie die Miete bezahlt hatte.

Es kam also zu Beginn des Sommers zu einem zweiten Termin vor Gericht. Die Schlüssel zur Wohnung hatte ich in den drei Monaten zwischen erster Verhandlung und zweitem Termin nicht bekommen, was mich ärgerte, da ich die Wohnung mehrfach hätte weitervermieten können.

Immerhin erwartete ich eigentlich, dass ich zumindest beim zweiten Verhandlungstermin – quasi vor Zeugen – die Schlüssel bekomme.

Aber da hatte ich mal wieder falsch gedacht.

Die Mieterin saß, inzwischen hochschwanger, da und schaute den Richter an wie das Kaninchen die Schlange und stellte sich einmal mehr blöd. Wobei ich mir inzwischen nicht mehr sicher bin, ob das nur gestellt war. Immerhin bedarf es dazu einer gewissen Intelligenz.

Das Ende vom Lied war, dass sie nur meinte, sie wäre sich nicht sicher gewesen, ob sie die Schlüssel denn herausgeben dürfe. Und natürlich lagen ihre Sachen auch immer noch in der Wohnung. Der Richter und ihre Anwältin legten ihr nochmal nachdrücklich nahe, die Schlüssel schnellstmöglich abzugeben. Die Anwältin tat sehr entrüstet, hatte sie doch die Hoffnung gehabt, einen Vergleich zu erzielen, dem ich jedoch auf Grund des weiteren Mietausfalls nicht zustimmen wollte.

Es wurde vereinbart, dass die Wohnung schnellstmöglich geräumt und die Schlüssel abgegeben werden sollten um den weiteren Schaden gering zu halten.

Leider dauerte schnellstmöglich noch einmal drei Monate. Und die Schlüssel bekam ich auch nur durch Zufall.

Ich hatte mehrfach die Anwältin der Mieterin angeschrieben und angerufen. Jedoch alles ohne Erfolg.

Als ich mich jedoch eines Tages im zuständigen Amt aufhielt und dort einige Dinge zu erledigen hatte, lief mir die Mieterin über den Weg. Sie schaute mich mit dem Schäfchen-auf-der-Schlachtbank-Blick an, wußte jedoch offenbar nicht wirklich, woher sie mich kannte. Sie wurde aber schnell eines aufgeklärt. Die Mitarbeiter vom Amt, die die Hintergrundgeschichte selbstverständlich kannten, baten die Mieterin zum Termin und mich gleich dazu. Die Mieterin erklärte sich damit auch einverstanden und während des Gesprächs kamen wir auf den Schlüssel zu sprechen. Diesen zog sie auch direkt zähneknirschend aus der Handtasche und übergab ihn mir. Ihre Sachen liegen noch immer in der Wohnung.

Die Krönung war allerdings, dass sie, nachdem sie die Wohnung nie bezogen hatte und vor Gericht ja erwähnt wurde, dass sie die Wohnung nur gemietet hat, weil sie offiziell nicht in der Obdachlosenunterkunft nächtigen durfte – in die sie inzwischen jedoch offiziell eingewiesen wurde – die Dame vom Amt beknieen wollte, dass sie eine Wohnung anmieten darf. Den es wäre ja nicht zumutbar, dass sie mit inzwischen drei Kindern im Asyl untergebracht ist. Dumm nur, dass sie beim einzigen Vermieter, der passende Wohnungen hätte, keine mehr bekommen wird. Und genauso doof, dass ihr Lebensgefährte als illegaler aus dem Asyl gar nicht ausziehen darf.

Immerhin, zwei Wochen nachdem ich die Wohnungsschlüssel bekommen hatte, hatte ich auch schon eine sehr nette und sehr ordentliche neue Mieterin für die Wohnung. ;o)

Die Sache mit dem Schlüssel

Endlich findet sich mal wieder Zeit für einen Post. Ist ja nicht so, dass derzeit keine Geschichten für das Kuriositätenkabinett im Angebot wären.

In den letzten Tagen hatte ich mal wieder ein sehr amüsante Geschichte. Wenn ich mich als schlechter Drehbuchautor bewerben würde… ich glaub die Geschichte wäre geeignet *lach*

Also es trug sich zu, das eine junge Mutter eine Wohnung mietete.  Das ist jetzt nicht soo ungewöhnlich. Das die Dame es versäumte, die Miete zu bezahlen auch nicht.

Aber nach Zustellung der Räumungsklage dachte sich das Mädel, sie nimmt sich mal nen Anwalt. Die meisten Mieter machen sich in dem Moment eigentlich sang- und klanglos aus dem Staub.

Dieser Anwältin erzählte sie eine traurige Geschichte von ausgetauschten Wohnungstürschlössern.

Angeblich wäre sie, bereits bevor die fristlose Kündigung ausgesprochen wurde, nicht mehr in ihre Wohnung gekommen. Jeder andere hätte in dem Moment den Schlüsseldienst oder den Hausmeister oder die Verwaltung angesprochen. Diese junge Frau schnappte sich ihre Kinder, zog zu ihrem Freund und seiner Familie in die Obdachlosenunterkunft und tat als wäre nichts gewesen. Dummerweise wollte das Job-Center sie mehrfach besuchen und staunte, dass die Wohnung,  für die das Mädel die Miete bezahlt bekam, nicht bewohnt war. Das Job-Center zahlte direkt an das Mädel, weil die Leistungen wegen anderer Einkünfte nicht ausreichend waren um die Miete zu decken. Dem Mädel fiel aber so gar nicht auf, dass es 500 Euronen mehr auf Ihr Konto bekam als ihr eigentlich zustünden und statt die Miete zu bezahlen machte sie sich eine schöne Zeit.

Nun denn, es kam zum Gerichtstermin. Wir wollten gerne die Miete und die Wohnung. Die Mieterein erschien mit ihrer Anwältin bei Gericht und ging als erstes auf mich bzw die böse Verwaltung los, die es zulässt, dass die arme junge Frau mit zwei kleinen Kindern in der Obdachlosenunterkunft leben muss. Und überhaupt, wie böse die Verwaltung ist, wo sie doch die Schlösser ausgetauscht hat. Und außerdem hatte die Verwaltung auch die Möbel des armen Mäuschens entsorgt (woher wollen die das wissen, wenn sie die Wohnung nicht betreten können)

Der Gerichtstermin zog sich hin, es wurde diskutiert, wie es angehen kann, dass das Mädel nicht gemerkt hat, dass sie die Miete selber zahlen muss (selbst nach mehreren Mahnungen ist ihr das nicht aufgefallen) und die Anwältin der Gegenseite versuchte verzweifelt, der Behörde die Schuld in die Schuhe zu schieben. Klappte nicht.

Um Licht ins Dunkel zu bringen wurde kurzerhand der Lebensgefährte der Mieterin als Zeuge aufgerufen. Er ist ein Angehöriger einer Minderheit und nicht das hellste Licht am Kronleuchter. Dummerweise hat seine Aussage die Lage für die Mieterin nicht verbessert. Unter anderem bedauerte er, dass seine Freundin ja eine Wohnung anmieten musste, weil die beiden nur tagsüber bei seinen Eltern in der Obdachlosenunterkunft sein dürften aber eben dort nicht schlafen dürften.

Ich erspare Euch hier die Einzelheiten, auch wenn einige herzhafte Lacher dabei gewesen sind.

Dem Richter wurde es bald zu bunt, und da der Prozess zu einem anderen Termin weitergeführt werden muss – es fehlte ein Zeuge – wurde der Termin beendet. Doch dann kam dem Richter ein Idee. Er hatte zwar selber keine Zeit, aber er bat alle Beteiligten, zusammen zur gemieteten Wohnung zu fahren und auszuprobieren, ob die Tür sich aufschließen lässt oder nicht.

Gesagt getan. Die Anwältin der Gegenseite fuhr mit der Mandantin die Schlüssel holen und man traf sich zu fünft vor dem Haus. Die Mieterin war etwas aufgeregt, so dass dem Hausmeister der Schlüssel in die Hand gedrückt wurde. Und – oh Wunder – ohne SesamöffneDich ließ sich die Wohnungstür öffnen.

Das Mädel hatte einfach den Schlüssel nicht weit genug in das Schloss geschoben.

… und Ihre Anwältin sucht noch immer nach dem großen schwarzen Loch in dem sie versinken kann.

– die Verhandlung ist noch nicht abgeschlossen… das Ende erzähl ich dann in sechs Wochen –

Warum klappt das nicht??

Diese Frage stellen mir viele Mietinteressenten immer wieder gerne. Dabei müssten sie in diesen Fällen selber längst wissen, dass das nix werden kann. Einen speziellen Fall hatte ich vor kurzem.

In meinem Emailfach landet eine Email von einem Mietinteressenten. Er sucht ganz dringend eine Wohnung und eine die wir anbieten ist bestimmt die richtige, aber eben sehr dringend, zum nächsten ersten (also in vier Tagen). Eigentlich hätte er ja schon eine Wohnung gehabt, aber der Vermieter hätte ihn und seine Frau auf’s Kreuz gelegt. Ein  Ladenlokal hätte er schon aber jetzt bräuchte er total dringend noch eine Wohnung.

Er hätte gehört, wir hätten in der Wohnanlage XYZ (300 km von unserem Büro entfernt, Anm. d.R.) passende Wohnungen frei und ob er sich die anschauen könnte und wie schnell er die Mieten könnte.

Hm… wer es so eilig hat macht sich ja schon irgendwie verdächtig.

Naja, zwei Stunden später klingelt das Telefon und ein ehemaliger Mieter aus der Wohnanlage ist dran.  Er hätte einen total tollen Mieter für uns, der wäre selbständig und würde nebenbei Kurse für die ARGE geben und Geld wäre überhaupt kein Problem, aber es müsste schnell gehen…

Das ist jetzt schon irgendwie noch verdächtiger….

Naja eine Weile später rief der Interessent selber an. Am Telefon machte er einen sehr freundlichen und aufgeschlossenen Eindruck. Aber wenn die Leute was wollen können sie auch sehr sehr nett sein….  Aber wenn jemand nett ist und soviel Geld verdient wie der Mann behauptete, warum wollte der dann in so eine Ecke ziehen??? Naja, ich verdiene auch so viel Geld..  zahlt mir aber keiner 😉

Ich habe ihn an den Hausmeister verwiesen um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren und damit der Hausmeister den Interessenten bei Interesse einen Fragebogen geben kann. Den muss ich schnellstmöglich unterschrieben haben. Danach kann ich den Vorgang prüfen. Inkl. Creditreform / Schufa.

Am nächsten Tag, es war inzwischen Freitag, drückte ein benachbarter Geschäftsmann mit einen Briefumschlag in die Hand. Der Mietinteressent hatte am Vorabend noch gefaxt. Nur leider an eine falsche Nummer. Und es war Zufall, dass das Fax in der Nachbarschaft gelandet war.

Bei der Selbstauskunft war ein Schreiben beigefügt, in dem der Interessent darum bat, am Morgen so zeitig wie möglich angerufen zu werden. Er würde dann direkt losfahren um bis zum Mittag in unserem Büro zu sein und den Mietvertrag zu unterschreiben….  (Sie erinnern sich?? Über 300 km!!)

Ok, jetzt war ich richtig richtig misstrauisch…  als erstes habe ich die Crefo-Anfrage gestartet…  und in schallendes Gelächter ausgebrochen. (Man entwickelt in dieser Branche einen gewissen Zynismus)

Grob umrissen hatte das Ehepaar lt. Selbstauskunft knappe 5000 Euro netto. Das ist eine Menge Geld.

Allerdings hatten die beiden auch diverse Haftbefehle, eidestattliche Versicherungen, gerichtliche Verfahren, Insolvenzverfahren, etc. pp.

Der Interessent war trotzdem völlig fassungslos, als ich ihn anrief um ihm mitzuteilen, dass er wohl kein Mieter in „meiner“ Anlage wird und sich das Benzin für die Anreise hierher sparen kann.

Er war dann auch irgendwie verstört als ich ihn auf die Einträge angesprochen habe, wurde aber doch recht kleinlaut.

Kein Gewissen?

Wenn ich von Tagen wie dem heutigen Berichte werde ich oft gefragt, ob ich kein Gewissen hätte…..

Heute stand eine Wohnungsräumung an. In diesem Fall war es eine Berliner Räumung. Das bedeutet, dass der Mieter der Wohnung verwiesen wird, er sein Hab und Gut aber zurücklassen muss weil das Vermieterpfandrecht ausgesprochen ist. Für Vermieter, die nicht in der Lage sind für eine richtige Räumung mit 10.000 Euronen oder mehr in Vorleistung zu treten ein ziemlich gute Lösung.

In diesem Fall wurde eine alleinerziehende Mutter geräumt. Es war schon der zweite Räumungstermin, vor zwei Monaten hatte die Räumung nicht stattgefunden weil die Zeugen nicht zum Termin erschienen. Die Mutter ist schätzungsweise in meinem Alter, die Tochter schätze ich mal auf 12 oder 13 Jahre.

Zum Räumungstermin war natürlich keiner in der Wohnung. Das war auch gut so, andernfalls hätte der Gerichtsvollzieher die Mieterin festgenommen. Gegen sie liegt ein Haftbefehl vor. Allerdings war die Wohnung auch nicht verlassen. Meistens ist das der Fall. Die Miet3r sind über alle Berge, haben mitgenommen was noch brauchbar ist und alles andere, meistens Müll, zurück gelassen.

In diesem Fall haben die Mieterin und ihre Tochter wohl zumindest tagsüber in der Wohnung gelebt. Es lag frisches Obst herum, es war noch eine kleine Katze da und relativ frisches Katzenfutter….  nur abends dürfte dort niemand mehr leben… es gibt schon seit Wochen oder Monaten keinen Strom mehr.

Nachdem der Gerichtsvollzieher mir am Morgen die Wohnung übergeben hatte war erstmal der nächste Punkt, dafür zu sorgen, dass die Katze in gute Hände kommt. Also habe ich für nachmittags einen Termin mit dem Tierheim vereinbart. Zwei Mitarbeiter des Tierheims haben das völlig verschreckte Tier eingefangen und mitgenommen.

Während ich auf die Tierheimmitarbeiter gewartet habe kam ein junges Mädchen aus dem Haus und lief die Straße herunter. Als ich mit den Tierheimmitarbeitern dann die Wohnung betreten wollte war das Mädchen auf einmal wieder da und es stellte sich heraus, dass sie die Tochter der Mieterin war. Sie stand völlig aufgelöst im Treppenhaus und konnte überhaupt nicht verstehen, warum sie nicht mehr in die Wohnung kommt und statt dessen völlig fremde Mensche da rein gingen.

Ich musste dem völlig hysterisch weinenden Kind dann erklären, dass die Katze ins Tierheim muss bis ihre Mutter für sie ein neues Zuhause gefunden hat. Außerdem musste ich dem Kind erklären, dass es kein Zuhause mehr hat und die Wohnung nicht mehr betreten kann…  und dass die Mutter, sollte sie sich Zutritt zur Wohnung verschaffen oder Polizei dazuholen, direkt ins Kittchen wandert. Ganz schön hart…  was soll man machen??

Die Mutter hat monatelang keine Miete bezahlt, diverse Mahnungen bekommen, einen fristlose Kündigung, jede Menge Schreiben vom Gericht und letztendlich des Räumungsurteil und die Mitteilung über den ersten und den zweiten Räumungstermin…. das ganze geht also praktisch schon ein Jahr…  und die Mutter hat sich nie darum gekümmert eine gütliche Einigung zu finden. Die Tochter ist dann völlig verzweifelt von dannen gezogen…

Es ist leicht zu glauben, dass Vermieter – oder Verwalter –  die so eine Räumung durchziehen hartherzig sind…  aber bis es zur Räumung kommt ist es ein weiter Weg….

Ich habe mit Sicherheit ein Gewissen….. nur komisch, dass nie jemand fragt, wie ich mich in solchen Situationen fühle..

„Aber das zahlt ja das Amt“

Wenn man an einem Ort den Job eine Weile macht, wird man langsam mit Namen vertraut, die Mietinteressenten praktisch sofort degradieren. Es gibt wohl in jeder Stadt zwei oder drei Familien, bei denen Probleme praktisch vorprogrammiert ist.

Eine solche Familie hatte ich als Mietinteressenten für eine Wohnung bereits abgelehnt, als mich ein Wohnungseigentümer anrief und mir begeistert von einem Mietinteressenten erzählte…  eben diese abgelehnte Familie.

Ich redete mit Engelszungen auf den Eigentümer ein er möge weitersuchen. Ich informierte ihn über die Drogensucht der Eltern und darüber, dass der Sohn offensichtlich die gleiche Karriere anstrebt wie die Eltern. Er wollte partout nicht hören und meinte nur begeistert „Aber das Amt zahlt ja die Miete“.

Leider sind viele Wohnungseigentümer nicht davon zu überzeugen, dass Miete allein nicht alles ist. Und dass man solche Mieter so schnell auch nicht wieder los wird. Denn der einzige Weg einen Mieter möglichst schnell wieder los zu werden ist, wenn er die Miete nicht bezahlt. Alles andere wird ausgesprochen kompliziert.

Alles reden half nichts. Der Wohnungseigentümer reiste höchstselbst an und übergab die Wohnung an seine neuen Mieter.

Etwa drei Monate später warf der Sohn der Familie seinen Eltern einen Molotow-Cocktail ins Wohnzimmer. Natürlich waren alle total zugekokst (oder was auch immer die genommen haben).

Die Wohnung brannte total aus, kurz nach der Brandsanierung, die relativ lange dauerte, zerstörte ein massiver Wasserschaden die gesamte Wohnung erneut.

Den Mietern ist übrigens nichts passiert.

lebend tot

Ich habe einen ziemlich unangenehmen aktuellen Fall.

Gerade letzte Woche wurde ich von einem gerichtlich bestellten Betreuer in eine Wohnung gerufen um dort vor Ort festzustellen, ob es nach Verwesung riecht oder nicht. Der Grund war, dass sich die Nachbarn über Verwesungsgeruch beschwerten.

Nun ist das fiese an diesem Geruch, dass man ihn, wenn man ihn einmal in einem Raum wahrgenommen hat, immer wieder wahrzunehmen denkt, auch wenn er längst nicht mehr da ist. Das kenne ich leider aus Erfahrung und die Nase hat ein unglaublich gutes Gedächtnis. Dieser süßliche Geruch setzt sich in jeder einzelnen Synapse fest und spielt sich dann eigentlich nur noch im Kopf ab.

Warum die Bewohner diesen Geruch im Kopf haben?? Das kam so:

In der Wohnung wohnte ein scheinbar sehr netter älterer Herr. Er war Anfang des Jahres verwitwet und lebte alleine. Er hatte eine Zugehfrau, die die Einkäufe erledigte und die Wohnung sauber hielt und die praktischweise im gleichen Haus lebte. Auch ein anderer Nachbar kümmerte sich angeblich um den alten Mann.

Der Mann hatte nur ein Problem, er hatte offene Beine. Nun kommt dies bei älteren Menschen durchaus häufiger vor. Ich kenne das von meiner verstorbenen Oma und ich weiß, dass das sehr unangenehm und schmerzhaft ist. Der alte Herr wollte seine Beine aber nicht behandeln lassen.

So lag er auf dem Sofa, ließ sich von der Zugehfrau versorgen, aber niemanden nach seinen Beinen sehen. Offenbar hat er in den letzten Monaten das Sofa praktisch nicht mehr verlassen. Dabei war er – bis auf die offenen Beine – geistig und körperlich offenbar noch fit.

Vor etwa acht Wochen wurde er aus seiner Wohnung geholt.

Die offenen Beine waren solange nicht behandelt worden, dass die Socken, die er trug, in die Beine eingewachsen waren und aus den Beinen Maden krabbelten. Er wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht und eben dieser gerichtliche Betreuer bestellt.  Zu dem Zeitpunkt muss es  in der Wohnung laut den Mitbewohnern im Haus und dem Betreuer bestialisch gestunken haben.

Der alte Herr liegt nach wie vor im Krankenhaus, ob und wann er es verlassen kann ist fraglich, zumindest muss er nach wie vor künstlich beatmet werden und es scheint, als wäre er inzwischen doch verwirrt. Er wird mit Sicherheit nie wieder in seine Wohnung zurückkehren können. Wenn er das Krankenhaus verlässt, dann muss er in ein Pflegeheim oder Altersheim. Je nachdem wie weit er sich erholt.

Aber die wichtige Frage ist: Warum hat von den Nachbarn und vor allem die Zugefrau keiner etwas unternommen und den Notarzt schon viel früher geholt. Warum lässt man es so weit kommen, dass ein lebender Mensch von Maden befallen und mit eingewachsenen Socken dahinsiecht??

Manchmal verstehe ich die Menschen nicht!!!

Die kleine alte Dame

In einem großen Mehrfamilienhaus mit kleinen Singlewohnungen hatte ich eine winzigkleine hutzelige Oma als Mieterin. Sie war noch längst nicht so alt, wie sie aussah, allerdings weiß ich beim besten Willen nicht mehr, wie alt sie damals eigentlich war. Ich würde mal so Anfang Mitte 70 schätzen.

Sie kam regelmäßig ins Büro, machte eigentlich einen aufgeweckten Eindruck und erzählte gerne und viel. Wie Omis halt so sind. Mich machte manchmal stutzig, wenn sie erzählte, dass sie in ihrer Wohnung nicht schlafen könnte und darum im Sommer immer im Kleingarten bei ihrer Freundin schlafen würde.

Aber da ich das Objekt gerade erst übernommen hatte und lt. meiner Vorgängerin mit der alten Dame alles in Ordnung sein sollte, machte ich mir da nicht wirklich ernsthaft Gedanken.

Bis mich irgendwann Nachbarn aus dem Haus anriefen und mir erzählten aus der Wohnung würde es stinken und da wären Ratten drin.

Nun muss man dazu sagen, dass die Nachbarn nun auch nicht unbedingt „normal“ im herkömmlichen Sinne waren. Jedenfalls schaute ich mir das ganze beim nächsten Mal aus der Nähe an… Ich kam bis vor die Wohnungstür. Wenn es sich um eine herkömmliche Messi-Wohnung gehandelt hätte, hätte ich das auf dem Treppenabsatz riechen können… es gibt auch so kleine Indizien… wie sieht der Treppenabsatz aus? Wie alt sind die Wollmäuse auf der Fußmatte, etc… die einem schon manchmal Details verraten können… hier schien aber soweit alles in Ordnung zu sein.

Die alte Dame kann ein paar Wochen später wieder zu mir ins Büro und ich fragte, ob ich mir ihre Wohnung mal anschauen dürfte. Ja sicher… ich könne gerne jederzeit vorbeikommen (eher ungewöhnlich für einen Messi) und ich packte die Gelegenheit beim Schopfe und vereinbarte direkt einen Termin mit ihr.

Ein paar Tage später war der Termin und ich machte mich ziemlich gespannt auf den Weg zur Wohnung der kleinen Oma. Als ich die Wohnung betrat traf mich fast der Schlag. Direkt neben der Eingangstür war eine kleine Singleküche, die war auch noch nutzbar. Daneben das Bad war nicht mehr nutzbar. Und das offenbar schon sehr sehr lange nicht.

Der Rest der Wohnung bestand aus einem großen Raum, der Wohn- und Schlafzimmer zugleich sein sollte. Ich schätze die Fläche mal auf rd. 35 m². In dem ganzen Raum war nur noch ein schmaler Gang von der Tür bis zum Fenster frei. Der Rest war schulterhoch (also meine Schulter, nicht die der kleinen alten Dame) mit Tüten vollgepackt…  aber es war nicht das, was man in einer Messiwohnung erwarten würde. Also kein Müll oder sowas… es waren Säche und Tüten mit Kleidung. In erster Linie Unterwäsche. Und es war alles funkelnigelnagelneu. Die Preisschilder waren sogar noch dran. 

Die Mieterin hatte einfach nur panische Angst davor, dass sie keine ausreichende saubere Wäsche hat, wenn sie mal ins Krankenhaus muss…. 

Der sozialpsychiatrische Dienst hat sich dann der Dame angenommen und sich gekümmert. Was später daraus geworden ist hab ich leider nicht mehr mitbekommen.

Everybody’s Darling

Ich hatte ein neues Aufgabengebiet übernommen, als ich mit einem Mieter konfrontiert wurde, dessen Mietvertrag meine Vorgängerin noch abgeschlossen hatte. Es handelte sich um einen jungen Mann, der angeblich beim Amerikanischen Konsulat in Hamburg arbeitete. Die Kollegen hatten sich schon sehr gewundert, dass jemand mit einem solchen Einkommen – denn das was auf dem vorgelegten Einkommensnachweis stand war schon sehr beträchtlich – ausgerechnet eine solche Wohnung mieten wollte.

Seine Begründung war, dass er sein Geld sparen wolle, weil er sich nach seinem Tod im All besetzen lassen wolle. Und da das sehr sehr teuer wäre und man ja nicht wüßte, wann das letzte Stündchen schlägt, lebe er eben sehr sparsam. Dumm nur, dass sein Arbeitsplatz rund 200 km weit entfernt sein sollte.

Der Mietvertrag war unterzeichnet, die erste Miete kam noch, die zweite dann nicht mehr. Das Mahnverfahren war gerade angeschupst worden, als im Büro jemand anrief und nach dem jungen Mann fragte. Der Anrufer sagte er wäre der vorherige Vermieter und er hätte noch jede Menge offene Forderungen gegen den jungen Mann. Daraufhin stellte sich heraus, dass der Einkommensnachweis gefälscht war und der junge Mann von Hartz-4 lebte.

Er bekam eine Vertragsanfechtung mit der Aufforderung, die Wohnungsschlüssel abzugeben. Begründet war die Vertragsanfechtung damit, dass der Mietvertrag nicht rechtskräftig zu Stande gekommen war, weil er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlichen wurde. Gleichzeitig wurde vom Amerikanischen Konsulat Strafanzeige wegen Urkundenfälschung gestellt.

Einen oder zwei Tage später rief mich ein Anwalt an. Der junge Mann sei sein Mandant und er würde die Vertragsanfechtung nicht anerkennen. Der junge Mann wäre zwar beim Konsulat gekündigt worden, aber es gäbe keine Vorspiegelung falscher Tatsachen…  ja neeee is klaar!!

Da der Anwalt eigentlich ganz verständig und nett war habe ich ihn dann darauf hingewiesen, dass er wohl kein Honorar sehen würde und dass sein Mandant von Hartz-4 lebt. Das wollte er mir aber nicht glauben.

Als wäre das nicht alles schon genug rief mich zwei Tage später der Chef eines großen Malerbetriebes an und fragte an, wann wir denn gedenken würden die Wohnungseingangstür in der Wohnung des jungen Mannes einzubauen. Ich fragte ihn, wie er denn darauf käme, dass dort eine neue Tür eingebaut werden sollte. Der Mieter hatte offenbar die ganze Wohnung für mehr als 7.000 Euro von dem Maler renovieren lassen. Er hatte dem Maler dann erzählt, die letzte Wand, nämlich die in der die Wohnungstür war, sollte erst zwei Wochen später gemacht werden, weil ja noch eine neue Tür käme. Und der Maler wollte die Wand gerne fertig machen, damit er die Rechnung schreiben kann. Bedauerlicherweise kam nie eine neue Tür und ich hab ihn dann seelisch darauf vorbereitet, dass er das Geld wohl nie sehen würde.

Nun wollte ich mir diesen Herrn natürlich mal selber ansehen. Auf Schreiben reagierte er nicht, seine Telefonnummer gab es auch nicht mehr…. also was tun…

Ich warf ihm ein Schreiben in den Briefkasten mit einem Termin, an dem die Gasleitung geprüft werden müsste. Das gleiche Schreiben klebte ich ihm an die Wohnungstür mit dem Hinweis, dass die Wohnung wegen Gefahr im Verzug geöffnet würde, falls er den Zugang nicht gewährt. 

Zu dem vergebenen Termin stand ich mit einem Schlüsseldienst und einem Handwerker vor der Tür. Der Mieter öffnete aber auf mehrmaligen Klopfen und Klingeln nicht. Der Schlüsseldienstmann hatte gerade den Bohrer angesetzt und angefangen das Schloss aufzubohren, als aus der Wohnung Geräusche zu hören waren und der Mieter im Schlafanzug die Tür öffnete. Er flitzte ins Schlafzimmer um seinen Anwalt anzurufen, zwischenzeitlich inspizierte ich die Wohnung und der Handwerker schaute nach der Gasleitung.

Die Malerarbeiten waren wirklich klasse und aufwendig gemacht worden 😉  Das war zumindest für die Vermieter ein Vorteil.

Zwei Tage später war der Mieter über alle Berge und ward nie mehr gesehen.

Ein Jahr später hatte ich privat mit seinem Anwalt zu tun…  er hat sein Honorar nie gesehen…

Aber dieser junge Mann war so ein Typ, den jede Mutter sich zum Schwiegersohn wünscht und dem man fast alles abnimmt…  eben Typ everybody’s Darling!!

verirrte Miete

Ich bekam einen Anruf von einem verzweifelten Ehepaar, das zu einer von uns verwalteten Eigentümergemeinschaft gehört.

Das Ehepaar hatte seine Wohnung an die Tochter einer Freundin vermietet. Sie erzählten, die Mieterin arbeite in der nächsten größeren Stadt im Schichtdienst und würde die Miete nicht zahlen. Unter anderem kam sie wohl mit Ausreden, sie hätte die Miete in den Briefkasten ihrer Nachbarin eingeworfen und die Vermieter sollten die Miete doch bitte dort abholen. Jaaa neeee is klar!!!

Es kam wohl immer häufiger zu solchen Ausreden und mittlerweile war die Mieterin mit drei Mieten im Rückstand. Die Vermieter wußten sich keinen Rat mehr. Die Mutter der Mieterin wollten sie damit aber auch nicht behelligen.

Also übernahm ich die Mietverwaltung für das Ehepaar, informierte die Mieterin, dass die Miete ab sofort an uns zu zahlen war und mahnte die offenen Mieten an. In der Mahnung wies ich darauf hin, dass der Rückstand bereits zur fristlosen Kündigung berechtig. Ich setzte eine Frist innerhalb ich den Zahlungseingang erwartete und nach deren Verstreichen die fristlose Kündigung ausgesprochen werden sollte.

Die Frist endete an einem Montag. Ich hatte mir fest vorgenommen spätestens am frühen Nachmittag die fristlose Kündigung höchstselbst zuzustellen. Die Wohnung lag ohnehin in Laufweite des Büros. Und solche Spezialisten wie diese Mieterin liegen mir ohnehin besonders am Herzen 😉

Ich saß an besagtem Montag in meinem Büro als mein Telefon klingelte. Nahm ab und meldete mich

H: Hausverwalterin, guten Tag.

A: Guten Tag, ich hab da mal eine Frage. Bei mir ist eine Zahlung auf dem Konto eingangen. Dabei ist Ihr Name vermerkt, aber ich weiß gar nicht, was das für Geld ist.

H: Um was für einen Betrag handelt es sich denn?

A: Um einen Betrag in Höhe von yxz Euro (Anmerkung: Zufällig, genau der Betrag, den besagte Mieterin einzahlen sollte)

H: Ja einen solchen Betrag erwarten wir, aber warum sollte der zu Ihnen kommen statt zu uns.

A: Ja, das weiß ich auch nicht, aber ich würde den dann gerne an Sie weiterüberweisen.

H: Sagen Sie mir doch bitte mal Ihre Kontonummer. Vielleicht ist sie ähnlich der, auf die das Geld eigentlich sollte.

Die Anruferin nennt mir eine Kontonummer die mit unserer identisch ist… bis auf einen Zahlendreher.

A: Gut dann kann es sein, das da jemand zwei Zahlen verwechselt hat.

Ich nenne der Dame die richtige Bankverbindung und zweifle im Stillen an so einen Zufall. Die Anruferin versichert jedoch, die Zahlung am gleichen Tag vorzunehmen.

Ich arbeite weiter und prüfe nebenbei, ob die Mieterin die im Rückstand wirklich arbeitet…  wenn man den Job lange genug macht hat man ja so seine Informationsquellen. Schnell bekomme ich heraus, dass die Mieterin von Hartz-4 lebt und das auch schon eine ganze Weile. In weiser Voraussicht bereite ich schon mal eine Abtretungserklärung vor damit die ARGE die Miete ab sofort direkt auf das Verwaltungskonto überweist.

Eine Stunde später klingelt das Telefon erneut:

H: Hausverwaltung, guten Tag:

A: Ja guten Tag, ich bin es nochmal. Ich wollte Ihnen sagen, dass ich es heute nicht schaffe, das Geld an Sie zu überweisen. Ich habe gerade einen Anruf bekommen, dass mein Mann einen Arbeitsunfall hatte und in ein Krankenhaus in die nächstgrößere Stadt gebracht wurde. Er hat seinen rechten Arm verloren.

OK, alles klar!!!!!

H: Oh, das tut mir leid. Bitte sagen Sie mir doch nochmal Ihre Kontonummer. Damit ich dann weiß, wohin ich das Geld verbuchen muss.

Die Anruferin nennt mir wieder eine Kontonummer, die unserer sehr ähnlich ist. Dummerweise ist der Zahlendreher diesmal ein anderer als bei unserem ersten Gespräch. Nachtigall ick hör Dir trapsen.

H: Gut dann überweisen Sie das Geld morgen und gute Besserung für Ihren Mann!

A: Ja vielen Dank, ich fahr jetzt erstmal ins Krankenhaus.

Nach dem Gespräch drucke ich die vorbereitete fristlose Kündigung aus, schnappe mir eine Zigarette und den Haustürschlüssel des Hauses, in dem die Mieterin wohnt, laufe gemütlich rüber, werfe die Kündigung ein und kehre in mein Büro zurück.

Etwa drei Stunden später kommt eine junge Frau rein, völlig aufgelöst, warum ich ihr die Kündigung gebracht hätte, sie hätte doch überwiesen.

Ich habe sie dann sehr nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass NIEMAND, dessen Partner einen solchen Unfall gehabt hätte, erstmal anruft, dass er Geld, das ihn eigentlich gar nichts angeht, erst einen oder zwei Tage später überweist. Danach hab ich sie dann darauf aufmerksam gemacht, dass ich Ende der Woche die Wohnungsschlüssel der geräumten Wohnung haben möchte.

Sie kam dann eine Stunde später nochmal wieder, zahlte die Miete ein und unterzeichnete die Abtretungserklärung 😉

Es ist faszinierend, auf welche Ideen die Leute kommen, wenn sie nicht zahlen wollen!!

About

Seit rd. 15 Jahren arbeite ich im Bereich Miet- und Hausverwaltung. Ich kam zu dieser Sparte wie die Jungfrau zum Kinde, aber es stellte sich heraus, dass es ein sehr abwechslungsreicher Beruf ist.

Mal ist es lustig, mal spannend, manchmal eklig und manchmal gefährlich. Wenn ich am Morgen ins Büro fahre habe ich zwar einen Plan, was ich erledigen will, aber oftmals komme alles ganz anders. In diesem Job ist man den Menschen manchmal näher als einem lieb sein kann und oftmals wird man regelrecht mit Schicksalsschlägen konfrontiert… und nicht immer kann man darauf Rücksicht nehmen. Und oftmals betritt nach mir erstmal nur noch der Kammerjäger die Wohnungen.

Immer wenn ich neue Leute kennenlerne und die mich fragen, was ich denn beruflich mache, oder wenn ich Geschichten erzähle, die mich einfach sehr bewegen höre ich Sprüche wie „Du solltest ein Buch schreiben“ 

Manchmal antworte ich dann scherzhaft „ich mache mir Notizen und wenn ich in Rente gehe schreibe ich die „Memoiren eines Hausverwalters“

Viele fragen ob das dann so ist, wie man es im Fernsehen sieht. In Berichten über Messiwohnungen oder so… nein… es ist nicht wie im Fernsehen.. es ist schlimmer… und im Fernsehen kann man „es“ nicht riechen

Ein Buch zu schreiben ist mir zu aufwendig und wenn ich Notizen mache, dann kann ich es auch gleich so schreiben, dass andere es lesen können.

Und so kam die Idee zum Blog.

Have fun!! Und falls Ihr Fragen habt beantworte ich sie Euch gerne!!